Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „Kultur uff de Viehwoog“ ein voller Erfolg

Da soll doch noch einer sagen, Geschichtsunterricht wäre eine trockene Angelegenheit. Wer am Freitagabend die Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe „Kultur uff de Viehwoog“ besucht hatte, wurde eines besseren belehrt. Der Saal der kleinen Halle im DGH Oberseelbach war voll, als Dottore Andreas Gamerius (Dr. Andreas Gamer) die längst verschollen geglaubten Aufzeichnungen des Decimus Magnus Ausonius dem Publikum in beeindruckender Weise präsentierte. Etwa 50 Gäste waren nahezu zu Tränen gerührt, als er das einzig überlieferte antike Gedicht an einen Bach, den Seelbach, musikalisch untermalt, rezitierte. Danach ging es Schlag auf Schlag: Superior Selebach als Ort der römischen Patrizier für Ferien auf dem Bauernhof, die Kohorte „Numerus Cattharensium“ als multilaerale Legionärstruppe auf dem Alteburger Markt, panem et circenses (Brot und Spiele) in Oberseelbach, die Erfindung des „Gespritzten“ im Ergo, Athletenclub TTG, Falke Dasbach, GVO und Löschverband Oberseelbach / Lenzhahn als Auxiliartruppen der römischen Legionen oder die Erfindung des Handkäs mit Musik als Mittel gegen das stinkende Garum (Ketchup der Römer) in den Kastellen am obergermanischen Limes im Vordertaunus. Der geballten Präsentation von Historie in eindringlichen Worten benötigte dringend eine Pause. Der Wirt vom Ergo hatte alle Hände voll zu tun, um den Durst der Besucher zu löschen.

Danach Mehnerius frumentarius (Manfred Mehner), Chef der Militärpolizei der Kohorte Alteburg und Decimus Magnus Ausonius (Frank Hofius), römischer Dichter und Geschichtsschreiber im Wechselgespräch. Wie man das dramatische Epos des Ausonius über die Abwehrschlacht gegen die  Hunnen in Oberseelbach und deren Einkesselung im „Unnerort“ derart eindringlich schildern konnte, war einzigartig. Immer wieder unterbrochen vom Gelächter des Publikums, begleitet vom musikalischem Tusch aus der beeindruckenden Kulisse, mussten die Vortragenden manchmal ihr eigenes Lachen krampfhaft unterdrücken. Sie ließen aber auch nichts aus: Generalstab und Oberkommando, Ausschreibung eines Eroberungsturms und  Lizenzbau römischer Katapulte durch heimische Gewerbebetriebe, Sicherstellung der Truppenverpflegung durch die Frauen, Einsatzplan für die Dasbacher Schützen die man zum Beistand hatte verpflichten können, Einrichtung eines Fronttheaters in Kneifels Hof, Finanzierung der Waffen durch Kriegsanleihe aus den Vereinskassen, Einkesselung der Hunnen im Seelbacher Unnerort, die Idee unserer Frauen, die Gänse als Frühwarnsystem vom Weiher in die Hohl zu verlegen, die Unterstützung der Bürgerwehr als Flankenschutz der hessischen Legionäre der Kohorte Alteburg, Einsatz der römischen Lizenzbaukatapulte zur Sicherung des Seelbachtales Richtung Lenzhahn gegen den Einfall der Hunnen. Dann die Siegesfeier und die Grundsteinlegung des Ergo Bibamus durch Cyranus Sarazinous, einem gallischen Legionär aus der multilateralen Truppe der Kohorte Alteburg, heute von seinem Nachfahr Yann betrieben. Dann die Wiederentdeckung der Kriegstagebücher von Ausonius in den Vatikanischen Geheimarchiven. Dann das Ende des Wechselgespräches mit der augenzwin-kernden Frage, ob das alles so passiert ist. Das Publikum belohnte den Vortrag mit stehenden Ovationen und langanhaltendem Applaus. Bis spät in die Nacht haben sich die Initiatoren der Veranstaltungsreihe „Kultur uff de Viehwoog“ noch über die gelungene Veranstaltung gefreut. Man darf gespannt sein, was als nächstes geplant sein wird.